So hackst du dein Hirn auf Sparen. Experten-Talk mit Birgit Bruckner (Mindset Money)

05.02.2020 So hackst du dein Hirn auf Sparen. Experten-Talk mit Birgit Bruckner (Mindset Money)

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Sparen in Zeiten des Null- und Niedrigzins? Klingt, als würde es keinen Sinn machen. Ganz im Gegenteil. Wer selbstbestimmt leben möchte muss sparen. Egal, wie hoch das eigene Einkommen ist.

Sparen ist zu einer Herausforderung geworden – nicht nur wegen der bescheidenen Zinsen. Unserer Konsumgesellschaft, getrieben durch den Neoliberalismus, legt uns ein kurzfristiges Denken nahe. Wir möchten lieber heute als morgen konsumieren und wenn es sein muss auf Pump. Das heimische Sparschwein wurde schon eifriger gefüttert. Wurden 2009 noch 11,4% des frei verfügbaren Einkommens gespart, so ist der Wert 2019 auf 7,4% gesunken. Ein Effekt des Niedrigzins? Wohl kaum. Im selben Zeitraum haben sich die Einlagen in Fonds fast halbiert. Von 8,5 auf 4,3 Prozent. Die Anlage in Anleihen ist von 7,6 auf 9,0 Prozent gestiegen und bei Aktien von 2,9 auf 3,7 Prozent. Unterm Strich bleibt ein Minus. [Daten der Statistik Austria]

Ausschlaggebend für den vorhandenen oder fehlenden Spareifer des Einzelnen sind nicht ökonomische Überlegungen, sondern vielmehr psychologische Motive. Wir befinden uns in einer Dauerschleife von Werbung und Beeinflussung. Viele Güter sind dank Internet nur wenige Klicks entfernt und dazu noch zu Billigst-Preisen. Die Versuchung zu konsumieren ist allgegenwärtig. Werbefachleute nutzen geschickte Tricks, die unsere Denk- und Entscheidungsmuster nutzen. Schlagworte dazu: Framing, Priming und Nudging. Bereit für den Gegenschlag? Nutze auch du diese Muster und spare mit Leichtigkeit. Sparen muss weder schmerzhaft noch mühsam sein. Berücksichtige Aspekte deines Denkens und deiner Emotionen in Sachen Geld und du sparst leicht und freudig.

Daher: Wie kann ich Geld zurücklegen? Und viel wichtiger: Wie spare ich, ohne nennenswerte Lebensqualität einzubüßen? Ich zeige dir hier fünf Tricks. Nicht alle werden für dich relevant sein. Auch beim Sparen gilt: Jeder tickt anders. Ich garantiere dir, du wirst schnell erkennen, welche Selbst-Nudging-Tricks bei dir gut funktionieren. Bevor wir loslegen, lass uns noch herausfinden, warum uns die Sache mit dem Sparen schwerfällt.

 

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Was hindert dich am Sparen?

Wir leben in einer zunehmend vernetzten und digitalisierten Welt. Informationsflut, scheinbar unendliche Wahlmöglichkeiten schaffen einen komplexen Alltag. Und wir agieren hier mit einem Steinzeithirn. Unser Gehirn hat sich kaum verändert. Hirnareale verarbeiten heutige Situationen mit einer Hardware von Fred Feuerstein. Diese alten Muster haben sich bisher bewährt. Mit wenigen Ausnahmen agieren wir auch heute höchst effizient und rational. Eine Einschränkung ist allerdings das Sparen. Drei entscheidende Faktoren:

Wir sind Routine-Tiere.

Unser bewusstes Denken verbraucht viermal so viel Energie, wie das unbewusste Denken. Und dennoch kann es nur einen Bruchteil der Reize verarbeiten, im Vergleich zum unbewussten System. Kein Wunder also, dass wir rund 99% der täglichen Entscheidungen unbewusst treffen. Hierfür nutzen wir Routinen. Wir handeln und entscheiden wie immer. Das spart Energie und gibt mentale Prozesse für andere Situationen frei. Das bedeutet auch: Ist Sparen nicht teil deiner Routine, machst du es nicht.

Wir denken und empfinden im jetzt.

Ein einfacher Überlebensinstinkt. Schau, dass es dir heute gut geht, denn überlebst du morgen. Wir gewichten in unseren Entscheidungen die Gegenwart stärker als die Zukunft. Für Fred Feuerstein überlebenswichtig, in einer Konsumgesellschaft eine Gefahr. Besonders negativ ist dieses Mustern in Bereichen, in denen wir eine unmittelbare Handlung nachteilig erleben und die Konsequenzen für die Zukunft kaum zu greifen sind. Ganz einfach: gesunde Ernährung, ökologisches Verhalten, Sport oder auch Sparen.

Somit: Unseren Fokus auf morgen zu richten ist anstrengend. Im heute zu verzichten verlangt Willenskraft.

Wir verstehen Geld nicht.

Geld ist eine recht junge Erfindung. Digitales Geld auf Karten und Handys noch mehr. Die Schwierigkeit: Unser Steinzeithirn versteht diese Größe kaum. Für uns sind zehn Euro zehn Euro. Steht ja auch drauf. Was wir übersehen: Unser Geld verliert über die Zeit an Wert – Stichwort Inflation. Wir merken lediglich, dass der Kaffee oder das Brot teurer geworden sind. Auch  Zinsen gehen nicht in unseren Kopf. Wir unterschätzen den Effekt von Zinseszinsen und schaffen bilden die exponentielle Funktion unzutreffend ab. Kleine und große Mathegenies scheitern daran.

Kurz um: Sparen steckt nicht in unseren Genen. Du willst dich zurücklehnen und das Thema Zurücklegen abhacken? Du meinst du bist gegen deine Fred oder Wilma Feuerstein-Gene machtlos? So einfach ist es nicht. Du kannst mit Leichtigkeit sparen, wenn du in deinen Vorhaben Fred und Wilma mitbedenkt. Hier fünf Tricks, wie du dein Hirn auf sparen hackst.

 

Tipp 1: Hol dir dein starkes positives Why!

Ganz klar: Sparer schauen nach vorne. Sie wissen, wofür sie heute sparen. Was guten Sparern gelingt: Sie lenken den Fokus auf die zukünftige Belohnung und weg vom momentanen Verzicht. Um dein Steinzeithirn auf Sparen zu programmieren braucht es ein klares und positives Ziel. “Ich will diesen Job nicht mehr machen.” ist weder klar noch ein positives Ziel. Prüfe dein Sparziel und verwandle dein Ziel. Beispielsweise: “Ich will die Ausbildung zu XY machen.” Ein starkes WHY lenkt deinen Fokus in die Zukunft und hilft dir die Motivation auch in schwierigen Zeiten hoch zu halten. Gib deinem Sparkonto den Namen deines Ziels. Das hilft dir, in schwachen Moment zu überlegen. Willst du wirklich das Geld von deinem Bildungskonto für die Jacke ausgeben?

Mindset Money Spar-Tipp Nummer 1: Definiere ein klares und positives Ziel. Es richtet deinen Fokus in die Zukunft. Das steigert deine Motivation und macht Freude am Sparen.

 

Tipp 2: Fühle und erlebe dein positives Why.

Mach dein Sparziel zu deiner Vision. Überlege dir was es genau bedeutet, wenn du dieses Ziel erreichst. Wie fühlt es sich an? Was machst du? Hier gibt es einen einfachen Trick, deine Vision greifbar zu machen: Nimm dir einen analogen oder digitalen Notizzettel. Schreib oben dein Sparziel auf. Stelle dir auf einer Uhr oder deinem Handy einen Alarm von 15 Minuten. Und dann schreibe drauf los. Wenn du dein Sparziel erreicht hast: Wie fühlt es sich an? Was machst du gerade? Was erlebst du? Schreibe ohne Unterbrechung bis dein Alarm erklingt. Nun greife zu einem farbigen Stift. Markiere alle markanten Eigenschaften deines Sparziels. Notiere dir deine Schlagworte auf deinen Notizzettel, such dir ein ein passendes Bild. Sorge dafür, dass du immer wieder an dein Sparziel erinnert wirst. Damit geht dein Ziel vom bewussten ins unbewusste Denken über und richtet deine Entscheidungen ganz automatisch an diesem Ziel aus.

Mindset Money Spar-Tipp Nummer 2: Mach dir dein Sparziel immer wieder bewusst. Eine Notiz in deiner Geldbörse, ein Bild beim Schlüsselbrett, eine regelmäßige Erinnerung in deinem Kalender oder in einer Sparapp.

 

Tipp 3: Heute mach ich es mal anders. Raus aus deinen Routinen!

Erfolgreich sparen heißt deinen Lebensstil und deine Routinen ändern. Das heißt nicht, dass dein Leben freudlos und trist wird. Vielmehr geht es darum deine Routinen zu hinterfragen. Muss es wirklich ein Kaffee im Wegwerfbecher am Weg ins Büro sein? Oder kannst du dir einen von zu Hause mitnehmen? Viele deiner täglichen Handlungen sind automatisiert. Wir denken nicht mehr bewusst darüber nach, wie wir agieren. Auch du hast Verhaltensweisen, auf die du gut und gerne verzichten kannst. Manches können wir ganz einfach anders machen und erzielen das Ergebnis.

Mindset Money Spar-Tipp Nummer 3: Durchleuchte schrittweise deine Lebensbereiche. Wo kannst du mit einem anderen Verhalten dasselbe Ergebnis erreichen? Worauf kannst du getrost verzichten? So schaffst du eine höhere Sparquote und bleibst dir und deinen Zielen treu.

Tauschen, teilen, leihen, reparieren, vergleichen oder selbermachen. Geht nicht immer, aber öfter, als du denkst! Hier in paar Links, die dich auf neue Idee bringen können:

Repaircafe: https://repaircafe.org

Übersicht Wien: https://www.sharing-economy.at/

Übersicht Österreich: https://www.energieleben.at/teilen-ist-das-neue-besitzen-interessante-sharing-aktionen/

Mitfahrbörsen Österreich: https://www.umweltberatung.at/carsharing-mitfahrboersen

Leihladen wien: Leihladen-Seite

 

Tipp 4: Nutze die Macht der Gewohnheit.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Routinen sparen Zeit und Aufwand. Wenn du deine Gewohnheiten an deinen Zielen ausrichtest, kannst du mit diesem Verhalten die Aussicht auf Erfolg steigern. Jede Kaufentscheidung, jede Ausgabe für sich zu hinterfragen wird dich anstrengen, du wirst schnell müde und wirst scheitern. Am Ende gibst du das Geld doch aus, anstelle es zurückzulegen. Es geht einfacher. Nutze die Macht der Routinen. Treffe neue allgemeine Regeln und setze auf Automation. Mache sparen zu einer neuen Routine für dich.

 

Mindset Money Spar-Tipp 4: Werde zum Spar-Tier. Entwickle deine automatisierte Spar-Routine.

Wie kann das aussehen? Sammle dein Kleingeld täglich in einem Gurkenglas, werfe jeden Freitagmorgen fünf Euro in dein Sparschwein. Nutze digitale Helfer. Richte dir einen Dauerauftrag am Monatsanfang auf dein Sparkonto ein, verwende Spar-Apps, die dich an dein Sparziel erinnern.

 

Tipp 5: Überschätze nicht deine Willenskraft.

Bist du deinen Neujahrs-Vorsätzen treu geblieben? Oder hast du keine mehr? Hast du gerade deine Lieblingssüßigkeit gegessen, fällt es dir leicht den Schluss zu fassen in Zukunft darauf zu verzichten. Zwei Tage später schaut es hingegen anders aus. Nur das eine mal eine Ausnahme machen. Der Anfang vom Ende deines frisch gefassten Vorsatzes. Jeder kennt es. Beim Sport, der Ernährung, dem Medienkonsum und eben auch beim Sparen.

Was steckt dahinter? Die Psychologie nennt es Empathielücke. Sind wir emotional ausgeglichen, ist ein Verlangen befriedigt, überschätzen wir unsere Willenskraft künftig gegen dieses Verlangen zu handeln. Wir setzen uns harte Ziele und Regeln, die wir dann nicht einhalten. Wer versucht von einem auf den anderen Tag sich strikte Sparziele zu setzen erhöht das Risiko zu scheitern. Das Projekt Sparen findet ein schnelles Ende und alte Gewohnheiten setzen sich durch. Was hilft: Machbare Schritte definieren und sich hin und wieder was gönnen.

Spar-Tipp Nummer 5: Belohne dich mit festgesetzten Dingen in definierten Rahmen. Gönn dir zwischendurch etwas, das dir wirklich wichtig ist.

Beginne mit einer kleinen leicht marchbaren Sparqupte, beispielsweise zwei Euro in der Woche. Steigere deine Sparquote schrittweise. Du willst dir zukünftig dein Essen mit ins Büro nehmen? Einmal in der Woche gehst du mit den Kollegen weiterhin mit ins Lokal. Andernfalls kann es passieren, dass dir bald der soziale Anschluss und Austausch fehlt. Die Konsequenz: Du lässt das mit dem mitgebrachten Essen wieder sein. Ein weiteres Beispiel: Du beschließt auf Online-Shopping zu verzichten. Dann führe eine Wish-List. Einmal im Quartal darfst du dir von dieser Wishlist etwas bestellen.

Damit dieses Verhaltensweise “Belohnung” bleibt und nicht zur neuen Routine wird, musst du deine Belohnung vorweg klar definieren. Was, wann und unter welchen Bedingungen.

 

Sparen macht Spaß.

Wie zu beginn erwähnt. Nicht jeder dieser fünf Tipps wird für dich relevant sein. Ich bin mir sicher, zumindest einer trifft ins Schwarze. Und genau das ist mein Tipp für dich. Dieser ist es wert in dein Leben geholt zu werden. Nun bist du am Zug. Überlege nicht lange, mach den ersten Schritt. Bekanntlich ist morgen alles anders und heute vergessen. Mach es wie die Werbeprofis. Mit dem kleinen entscheidenden Unterschied: Du hackst dich zu deinen Zielen.

Viel Spaß dabei!

 

Birgit Bruckner ist Finanzpsychologin und war mehrere Jahre am österreichischen Finanzmarkt als Börsenhändlerin, Analystin und Anlageberaterin tätig. Sie zeigt dir, wie du das größte Risiko in Sachen Geld in den Griff bekommst: Dich selbst. Du hast eine Frage an Birgit? Dann schreib ihr einfach.

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